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Alles über mein Studium

Nachdem ich einige Male ein kleines Q&A auf Instagram veranstaltet habe und auch auf meinem Blog mehr über mich in dem 15 Fakten über mich – Blogpost geschrieben habe, habe ich immer wieder Rückfragen zu meinem Bachelorstudium bekommen. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Studiengang so viele interessiert, doch ich berichte sehr gerne über meine Zeit in Augsburg und wie ich den Studiengang fand.

Zu Beginn kurz, ich habe zuerst drei Semester Italienisch und Französisch auf Lehramt für Gymnasien an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studiert. Nach dem Abitur hatte ich absolut keine Idee, was ich mit meiner Zukunft machen wollte. Jegliche Vorstellungen und Ideen, die ich vorher hatte, habe ich wieder verworfen oder habe ich tatsächlich im Rahmen eines Praktikums ausprobiert und mich dann dagegen entschieden. Aus diesem Grund habe ich nach dem Abitur ein halbes Jahr freigenommen, mir überlegt, was ich machen möchte und habe mit meinem Freund eine Europareise mit Interrail gemacht. Als ich wiederkam, war für mich klar, dass mir das Reisen, die Länder mit ihren verschiedenen Kulturen und Sprachen unglaublich gut gefallen haben und ich habe gemerkt, dass mir das Sprachenlernen ganz gut liegt, weswegen ich etwas mit Sprachen machen möchte. Da ich jedoch nicht weg von zu Hause und von meinem Freund sein wollte, kam für mich nur die Mainzer Universität in Frage und das Angebot hielt sich eher in Grenzen. Es gab noch einen anderen Studiengang, der etwas mit Sprachen zu tun hatte, doch der wäre an einem anderen Standort gewesen, weswegen nur noch Lehramt für mich übrigblieb. Also habe ich mich dafür beworben, wurde angenommen, habe zwei Semester, ein Praktikum an einer Schule gemacht und habe im dritten Semester ein Auslandssemester in Verona, in Italien, gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon recht unglücklich und wusste, ich möchte keine Lehrerin werden, es macht mir keinen Spaß und ich sehe mich auch nicht in diesem Beruf. Doch sollte ich nach „so vielen Semestern“ wirklich nochmal wechseln und von vorne anfangen?
Da sitze ich dann in Verona, genieße mein Auslandssemester, die Sprache und die Kultur und war wirklich glücklich. Doch das Auslandssemester läuft ja meist anders ab, als an der Heimatuniversität. Ich habe dann jemanden kennengelernt. Das klassische Gespräch entsteht: wie heißt du, wo wohnst du in Verona, was studierst du, mit wem bist du hier, etc. Und als sie mir sagte: „Ich studiere Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft in Augsburg“, habe ich sie ganz verwirrt angeschaut. Ähh, was genau studierst du dann? Und sie sagte: „Englisch, Italienisch und Schwedisch.“ Und kaum hatte sie die drei Sprachen genannt, wollte ich alles über diesen Studiengang wissen, habe viel recherchiert, habe hin und her überlegt. Der Grund, weswegen ich in Mainz studiert habe, war ja, weil ich nah bei meiner Familie und meinem Freund sein wollte…würde ich nach Augsburg gehen wäre ich über 350 km weit weg von alldem. Will ich das wirklich? Doch auf der anderen Seite war mir bewusst, dass ich nicht Lehrerin werden will. Also habe ich mich spontan IN ITALIEN für das Sommersemester 2017 in Augsburg beworben. Ich war noch nie in meinem Leben so aufgeregt. Ich hatte mit niemandem gesprochen. Keiner wusste, was ich da plante und ich verstand es selber nicht. Nach und nach habe ich erst meinen Freund und dann meine Familie eingeweiht und sie haben mich zum Glück sehr unterstützt. Ja und dann? Dann bin ich im April 2017 nach Augsburg gezogen und habe die Entscheidung bis heute nicht eine Sekunde bereut.

Was studiere ich?

Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft in Augsburg

Woraus besteht dieser Studiengang?

Das Studium besteht aus drei Sprachen und einem Wahlpflichtbereich. Als Erstsprache hat man immer Englisch (C1 Niveau ist Pflicht), als Zweitsprache hat man die Wahl zwischen Italienisch, Französisch und Spanisch (B2 Niveau ist Pflicht) und als Drittsprache hat man die Wahl zwischen Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch oder Türkisch. Im Wahlpflichtbereich kann man Kurse in Volkswirtschaftslehre, Politik, Ethnologie, weiteren Sprachen, Deutsch als Fremdsprache und viele weitere wählen, da kommt es ganz darauf an, welches Fach einem Spaß macht oder in welche Richtung man später gerne gehen möchte.

Die Drittsprache lernt man komplett neu. Man muss also keine Vorkenntnisse besitzen oder je Kontakt zu der Sprache gehabt haben. Die Erst- und die Zweitsprache sind dann in Sprachpraxis und Sprachwissenschaft aufgeteilt. Die Sprachpraxisprüfungen sind immer (schriftliche oder mündliche) Klausuren, während die Sprachwissenschaftsprüfungen schriftliche Klausuren oder Hausarbeiten sind. Außerdem gibt es einen Kurs in Didaktik und zwei in Kultur (da darf man individuell entscheiden, ob es in der Erst- oder Zweitsprache sein soll).

Um es kompakt zu sagen, man beschäftigt sich mit der Sprache auf theoretischer linguistischer Ebene, hat jedoch auch die praktische Ebene, spricht und setzt sich mit dem Gebrauch der Sprache und der Kultur auseinander.

Meine Sprachkombination war Englisch, Französisch und Schwedisch und im Wahlpflichtbereich habe ich einen Kurs in VWL belegt, vier in Italienisch, einen in Spanisch und einen in Holländisch (die letzten zwei wurden mir aus meinem Auslandssemester in England angerechnet).

Gibt es Zulassungsvoraussetzungen?

Der Studiengang an sich ist zulassungsfrei, allerdings gibt es Zulassungsvoraussetzungen. Dies ist das angeforderte Sprachniveau, also C1 für Englisch und B2 für die Zweitsprache. Die Niveaus werden in zwei Eignungsfeststellungsverfahren überprüft, bedeutet, man schreibt einen Test in der jeweiligen Sprache, um festzustellen, ob ihr das angeforderte Niveau habt.

In welchem Bereich kann man damit arbeiten?

Der Studiengang schränkt einen nicht auf einen bestimmten Beruf ein, sondern vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten, die in zahlreichen Bereichen gefragt sind, wo es um eine gute Beherrschung der Fremdsprachen und um eine praxisorientierte Anwendung von sprachbezogenem Wissen geht. Daher fallen alle möglichen interkulturellen Tätigkeiten in den Bereich (organisatorisch, beratend, didaktisch) oder aber auch im redaktionellen Bereich, PR-Bereich, Veranstaltungsbereich, aber auch öffentliche Einrichtungen und internationale Organisationen. Im Großen und Ganzen formt man seine Richtung durch die Sprachen, den Wahlpflichtbereich, Auslandssemester und Praktika.

Wie hat mir Augsburg als Stadt zum Studieren gefallen?

Bevor ich in Augsburg angefangen habe zu studieren, war ich noch nie dort gewesen, wusste also auch nicht, was mich erwartet. Auf den Bildern sah es ganz schön aus und ich war wirklich sehr aufregt. Doch ich habe mich unglaublich schnell eingelebt, sehr schnell Freunde gefunden und habe die Stadt vom ersten Augenblick an geliebt. Augsburg ist keine typische Studentenstadt, doch die Stadt selber ist sehr schön, es gibt viele Restaurants und Cafés, sowie es auch gute Bars und Clubs gibt. In der Innenstadt ist alles zu Fuß zu erreichen, es gibt eine Shoppingstraße und weitere Läden drumherum und sogar eine Shoppingmall, die City Galerie. Durch die Stadt fließen drei Flüsse und in der Augsburger Umgebung sind einige Seen, was im Sommer perfekt ist. Durch die Stadt fährt außerdem eine Tram, die man mit dem Semesterticket kostenlos nutzen darf. Mir haben die Architektur und die Farben der Stadt besonders gut gefallen und war auch mit der Universität zufrieden. Diese liegt allerdings ein Stück weit außerhalb der Innenstadt. Für mich war es wichtig, dass die Stadt nicht zu groß ist, da ich das nicht so gerne mag, jedoch sollte sie auch nicht zu klein sein, weswegen Augsburg genau die richtige Größe hat. Ich habe bereits einen Blogpost über Augsburg, die Sehenswürdigkeiten, Restaurants etc. geschrieben, da könnt ihr auch gerne noch vorbeischauen.

Kann ich das Studium weiterempfehlen?

Würde ich dasselbe nochmal studieren? Definitiv JA! Natürlich habe ich durch Erfahrung, Praktika, Werkstudentenjobs etc. gemerkt, dass mich noch ganz andere Richtungen interessieren, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt oder dass man in diese Richtung studieren kann, doch wie sagt man so schön – im Nachhinein ist man immer schlauer! Doch würde ich mich nochmal für ein Studium im sprachlichen oder kulturellen Bereich wählen, würde ich definitiv den Studiengang wählen. Warum? Weil es nicht viele Universitäten in Deutschland gibt, die drei Sprachen in einem Studiengang anbieten. Hat man wirklich Spaß an Sprachen, Kulturen, neue Sprachen zu lernen und eventuell eine Weile im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, dann ist der Studiengang dafür gemacht. Ich hatte viel Spaß mich mit den verschiedenen Bereichen der Sprachen zu beschäftigen und auch allgemein, dass ich mich mit so vielen Sprachen gleichzeitig beschäftigen durfte. Das freiwillige Auslandssemester habe ich total genossen, würde es jedem empfehlen und immer wieder machen! Natürlich ist der Studiengang oder auch mein Studienablauf nicht immer perfekt gewesen und natürlich gibt es auch negative Aspekte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. So wie es wunderschön ist, sich gleichzeitig mit mehreren Sprachen zu beschäftigen, so ist es auch anstrengend, da jede Sprache ihren eigenen Lehrstuhl hat und jeder Dozent denkt, man studiere ja nur die eine Sprache. Manchmal hätte ich mich lieber mehr mit Schwedisch beschäftigt, doch musste unglaublich viel für Französisch machen, was sehr schade war. Ein Nachteil gegenüber vielen anderen Studiengängen, doch eigentlich selbstverständlich bei Sprachen ist, dass man immer irgendwelche Hausaufgaben hat. Sprachen muss man üben, üben, üben – egal ob in mündlicher oder schriftlicher Form. Bedeutet, dass man oft Texte abgeben, Texte übersetzen, Vokabeln lernen oder anderen Aufgaben machen muss. Doch das hat mich, ehrlich gesagt, nie wirklich gestört. Auch bei diesem Studiengang gab es Dozenten, die ich sehr gerne mochte, doch es gab auch welche, die ich überhaupt nicht mochte, die gefühlt nur MIR das Leben schwer machen wollten und wo ich mich echt durch den Kurs zwingen musste. Doch ich denke das ist bei den meisten Studiengängen so und es machen nicht immer dieselben Dozenten dieselben Kurse.
Auch ich bin in drei Klausuren durchgefallen, was mich sehr frustriert und traurig gemacht hat, doch die Dozenten waren immer hilfsbereit, haben sich die Arbeit genau mit mir angeschaut und haben mir mit persönlichen Übungen geholfen, sodass ich am Ende alle durchgefallen Klausuren ganz gut bestanden habe. Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft ist ein zeitintensiver Studiengang, der aber auch viel Spaß macht und einem viele Möglichkeiten bietet. Auch wenn man denkt, man ist direkt in eine Richtung eingefahren, stimmt das nicht ganz, da man durch ganz viele Faktoren, die Richtung entscheiden bzw. verändern kann.

Ich würde diesen Studiengang definitiv nochmal studieren und habe nicht eine Sekunde bereut, dass ich nach ein und halb Jahren Studium nochmal gewechselt bin! Wir sind es, die unsere eigene Zukunft formen, egal wie lange man braucht, egal wie viele Fächerwechsel man vornimmt, denn seien wir mal ehrlich – das, was wir letztendlich machen, werden wir wahrscheinlich für den Rest unseres Lebens machen, deswegen lieber einmal mehr gewechselt oder länger gebraucht, als ewig unglücklich in einem Beruf festzusitzen, der einem nicht taugt.

Ich hoffe der Blogpost hat euch Einblicke in meinen Studiengang gegeben und konnte eure Fragen beantworten. Solltet ihr noch irgendetwas genauer wissen wollen, könnt ihr mir einfach eine E-Mail schicken, auf Instagram schreiben oder einfach in die Kommentare schreiben. Ich freue mich, wenn ich mein Wissen mit euch teilen kann und euch vielleicht bei der einen oder anderen Entscheidung helfen kann, Elisa xxx

2 Kommentare

  • Vanessa

    Hi Elisa,

    da ich dir ja schon neugierigerweise vor Wochen die Frage gestellt hatte, wusste ich, was du studierst, aber es war sehr cool zu erfahren, wie es dazu gekommen ist und noch weitere Inhalte zum Studiengang zu erfahren! Ich liebe Sprachen auch und finde es daher super, dass du dich für deine Leidenschaft entschieden hast und mutig diesen Schritt gegangen bist!
    Liebe Grüße an dich!

  • Sandy

    Wow, Elisa, was für eine beeindruckende Geschichte!
    Ich finde es total gut, dass du deinen „Instinkten“ gefolgt bist und dich für so einen Studiengang trotz Umzug entschieden hast. Der Studiengang klingt super interessant und kannte ich bisher auch noch nicht. Ich bin zurzeit auch voll auf dem Sprachen-Trip und schaue mir unglaublich gerne Videos von Leuten an, die so 20 Sprachen sprechen haha :D.
    Ich finde es so wichtig, mehr als nur ein oder zwei Sprachen zu sprechen, denn Kommunikation ist eben ein Mittel der In- oder Exklusion. Wenn man die Sprache spricht, gehört man automatisch dazu und genau so umgekehrt. Momentan bringe ich mir selber Malaysisch bei, da ich malaysische Wurzeln habe. Ist gar nicht so einfach aber macht total Spaß!

    Sandy GOLDEN SHIMMER

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