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Newcastle upon Tyne

Newcastle upon Tyne (NCL) – mein Herz schlägt für die Stadt im Norden Englands. Ich habe mich eine Weile davor gesträubt diesen Blogpost zu schreiben, da es mir das Herz bricht. Ich habe mich bewusst dafür entschieden ein halbes Jahr in dieser Stadt zu leben und habe von Anfang an Daumen gedrückt und gehofft, dass mir der Brexit diesen Wunsch nicht zerstört. Zum Glück ist, was das betrifft, alles gut gegangen. Doch das halbe Jahr ist schneller verflogen als mir lieb war und mittlerweile bin ich wieder in Deutschland.

Ich habe mich von meiner Heimatuniversität aus für ein Auslandssemester in England, in NCL, beworben und hatte diese Stadt auch auf Platz 1 meiner Liste. Als ich die Zusage dafür bekommen habe ein halbes Jahr dort zu wohnen und zu studieren, war ich unbeschreiblich glücklich und habe alle möglichen Vorbereitungen dafür getroffen.

Im September ging es für mich dann endlich nach NCL!!

Nachdem man ein halbes Jahr in einer Stadt wohnt, kennt man sich, meiner Meinung nach, ganz gut aus, weswegen ich euch all das, was ich über Newcastle upon Tyne erfahren habe und was ich dort unternommen habe, nicht vorenthalten möchte.  

Zuerst ein paar allgemeine Punkte über NCL

Newcastle upon Tyne ist die größte Stadt im Nordosten von England und liegt am Fluss Tyne. Die Hafenstadt liegt in Northumberland. Dort prallen die Moderne und die Geschichte aufeinander, was der Stadt einen ganz besonderen Charme verleiht. In Newcastle wird ein ganz besonderer (vor allem besonders schwer zu verstehender) Dialekt, der Geordie heißt, gesprochen und so werden auch die Einwohner der Stadt genannt. In NCL leben 300.196 Einwohner.

NCL ist eine Stadt mit zwei Universitäten: „Newcastle University“ und „Northumbria University“. Insgesamt studieren knapp 50.000 Studenten dort und ich habe die Newcastle University besucht. Zwischen diesen zwei Unis herrscht eine spielerische Rivalität, die sich vor allem beim Sport und beim Ausgehen zeigt, wenn man Studenten von der jeweils anderen Universität trifft.

NCL wird auch als Tor zu Schottland bezeichnet, da man nur 1,5 Stunden von Schottland entfernt ist. Mit dem Zug und mit dem Bus ist man beispielsweise schnell in Edinburgh oder in Glasgow.

Kurze Einführung in die Geschichte

Newcastle besitzt eine reiche und farbenfrohe Geschichte, beginnend mit den ersten Ansiedlungen in der Region etwa 5000 vor Christus, und der Ankunft der Römer im Jahre 43. Im Jahre 1080 wurde auf der alten römischen Festung Pons Aelius eine Burg als Verteidigung gegen die Schotten errichtet. Sie wurde als neue Burg (new castle) bezeichnet, woher Newcastle später seinen Namen erhielt. Kohle aus den Gruben von Northumberland wurde später der wichtigste Faktor für die weitere städtische Entwicklung, während im 19. Jahrhundert Schiffbau und Schwerindustrie den Wohlstand der Stadt steigerten. 

Sehenswürdigkeiten

Im Zentrum Newcastles liegt das Viertel „Grainger Town“, das historische Herz der Stadt, das in den 1830er Jahren von Richard Grainger und John Dobson entwickelt wurde, wo sich die schönsten Gebäude und Straßen befinden. Dort findet man den „Grainger Market“, ein überdachter Markt mit verschiedenen Läden und Ständen, die Spezialitäten aus verschiedenen Ländern verkaufen. Es gibt dort Metzger, Obst- und Gemüseverkäufer, einen Laden mit Tierartikeln, Läden, in denen man Souvenirs kaufen kann, mehrere Teeläden und vieles mehr. Der Markt wurde in den 1830er Jahren gebaut und hat das gesamte Jahr über geöffnet. In diesem Viertel befindet sich auch das „Theatre Royal“, das Theater von NCL, das 1837 gebaut wurde. Jedes Jahr finden dort mehr als 380 Aufführungen statt.

In diesem Viertel befinden sich außerdem die zwei großen Hauptstraßen – „Grey Street“ und „Grainger Street“. Die Grey Street wurde im 2005 von den BBC Radio 4 Hörern zu Englands schönster Straße gekürt, meiner Meinung nach zurecht. Sie ist wirklich atemberaubend schön. Die Gebäude weisen heute noch den viktorianischen Stil des alten Englands auf. In der Grey Street befindet sich auch das Theater, lauter Restaurants, Geschäfte, Bars und Cafés und am oberen Ende steht das „Earl Grey’s Monument“, ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt. Es ist nicht nur ein guter Orientierungspunkt bei der Erkundung der Stadt, sondern ist auch begehbar und bietet einen wunderschönen Ausblick über NCL. Es wurde als Gedenksäule im Jahr 1838 errichtet und gedenkt der Reform Act aus dem Jahr 1832, der unter Earl Grey als amtierendem Premierminister verabschiedet wurde. Die Grey Street und die Grainger Street gehen beide von dem Monument ab.

Earl Grey’s Monument

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das „Newcastle Castle“. Das Newcastle Castle ist eine mittelalterliche Festung. Aufgrund dieser Festung hat Newcastle heute seinen Namen. Der Eintritt kostet 7, 50 Pfund und für Studenten 6,50 Pfund. Die wichtigsten, heute noch erhaltenen Gebäude sind der „Donjon“, „Castle Keep“ genannt, und die befestigte Barbakane (Verteidigungswerk) namens „Black Gate“. Dort lernt man viel über die Stadt und ihre Geschichte. Außerdem kann man den Burgturm besteigen, von dem aus man eine wunderschöne Aussicht über den Fluss mit seinen sieben Brücken hat.

Ein weiteres Erlebnis ist Newcastles „China Town“. Dort gibt es viele verschiedene, authentische chinesische Restaurants. Die meisten davon grenzen an die Stowell Street an. Diese Straße wird jeden Abend und nachts von chinesischen Laternen beleuchtet.

Newcastle besitzt außerdem einen Fußballverein, auf den die Einwohner sehr stolz sind – Newcastle United. 1881 rief der Stanley Cricket Club eine Fußballmannschaft ins Leben. Sie spielen im St. James‘ Park, das ist der Name des Stadions, das 1892 bezogen wurde. Es ist das älteste Stadion England und ist außerdem auch das Größte in Nordostengland. Der Verein hat bereits sechs FA-Cup-Pokale gewonnen. Als mein Freund mich besucht hat, haben wir eine Stadiontour gemacht und wir haben viel Interessantes über den Verein und seine Geschichte gelernt. Am Wochenende waren wir dann auch auf einem Spiel – Newcastle gegen Bournemouth, das Newcastle aber leider verloren hat.

Eine weitere Sehenswürdigkeit, die ich mir auf jeden Fall anschauen würde, die aber nicht in NCL, sondern in Durham liegt, ist „Angel of the North“ (Engel des Nordens). Es handelt sich bei der rostbraunen Stahlskulptur um einen Engel, der an die industrielle Vergangenheit Nordenglands erinnern soll. Sie wurde 1998 von Antony Gormley entworfen und soll für Hoffnung stehen. Mit dem Auto braucht man eine knappe viertel Stunde, um dorthin zu gelangen. Ich bin in meiner ersten Woche in England während der „Fresher’s Week“ mit der Universität dorthin gefahren.

The Quayside

Von der Newcastle Uferseite hat man einen Blick auf „The Sage Gateshead“, die Konzerthalle mit dem spektakulären Design von Stararchitekt Norman Foster. Am besten fährt man über den Hadrian’s Wall Path auf die berühmte „Millenium Bridge“ und hinüber ans andere Ufer des Tyne. Dort lohnt sich ein Besuch des „BALTIC“, der großen Galerie für Gegenwartskunst, das sich in einer alten Getreidemühle befindet. Es ist das größte Zentrum für zeitgenössische Kunst in Europa. Die Stadt besitzt 7 Brücken (von West nach Ost): die Redheugh Bridge, King Edward VII Bridge, Queen Elizabeth II Bridge, die High Level Bridge, die Swing Bridge, die George V Bridge (oder auch Tyne Bridge genannt) und die Gateshead Millennium Bridge. All diese Brücken verbinden Newcastle upon Tyne mit Gateshead. Die Gateshead Millennium Bridge ist die erste kippbare Brücke der Welt und wurde 2001 eröffnet. Diese Brücke kippt nach oben, damit Schiffe, die zu hoch sind, durchfahren können. Die Brücke wird knapp 200 Mal im Jahr gekippt und ist ein tolles Ereignis, das man sich einmal anschauen sollte.

Am Ufer befindet sich außerdem der „Quayside Market“. Ein Markt, der jede Woche Sonntag von 9 – 16 Uhr stattfindet und über verschiedene Stände verfügt. Dort gibt es zahlreiche Foodtrucks und Essensstände, aber auch Stände, an denen man Klamotten, Souvenirs und Krimskrams kaufen kann. Dort habe ich den besten Käsekuchen meines Lebens gegessen! Ein weiterer Markt ist der „Hawker Market“, der jede Woche Freitag bis Samstag von 12-23:30 Uhr und am Sonntag von 12 Uhr – 18:30 Uhr stattfindet. Dieser befindet sich auf der anderen Flussseite. Bei diesem Markt muss man sich vorne am Eingang Chips kaufen, mit denen man dann an den Ständen bezahlen kann. Dort gibt es nur Speisen und Getränke.

Hawker Market

In der Innenstadt gibt es außerdem noch die „Fenwick Foodhall“, eine Markthalle, mit verschiedenen Speisen. Die Atmosphäre ist dort allerdings nicht so locker wie an den Märkten am Ufer, da alles etwas eleganter ist und man sich in Ruhe hinsetzt. Das Fenwick präsentiert die besten regionalen und internationalen Speisen und Getränke. Von Fisch und Fleisch über den besten Wein bis hin zu Dessert, gibt es dort alles was das Herz begehrt.

Shoppen in NCL

In NCL kann man auch super shoppen gehen. Obwohl ich mich über jeden Einkauf gefreut habe, war mein Bankkonto leider nicht so angetan. In NCL bzw. allgemein in England gibt es zahlreiche Geschäfte, die es bei uns in Deutschland nicht gibt, bzw. die es in meiner Gegend nicht gibt, wie zum Beispiel River Island oder Topshop. Newcastle-Gateshead verfügt über zwei der größten Einkaufszentren im Vereinigten Königreich. Zum einen die „Metro Shopping Mall“ in Gateshead mit über 330 Geschäften. Zum anderen befindet sich am Eldon Square im Herzen von NCL die „intu Eldon Square Mall“ mit rund 300 Geschäften und 60 Restaurants, die 1977 eröffnet wurde. Dort findet man unter anderem Topshop, River Island, New Look, Marks & Spencer, Apple, John Lewis, Hollister, Adidas, Lush und Whittard of Chelsea.

Von der Mall aus gelangt man außerdem schnell in den Foodcourt mit Restaurants wie Ask Italian, The Alchemist, T.G.I. Fridays und George’s Great British Kitchen. Möchte man in Newcastle zum Primark, findet man diesen in der Northumberland Street, neben JD Sports.

Nachtleben in Newcastle

Newcastle ist auch bekannt für sein Nachtleben, das sich in den zahlreichen Pubs, Bars und Nachtclubs rund um den Bigg Market und in den Uferstraßen der Innenstadt abspielt. Newcastle ist weltweit auf Platz 8 der Partymetropolen, somit sogar auf einem höheren Platz als London. Von Donnerstag bis Samstag sind die Straßen nachts überfüllt von jungen Leuten, die auf dem Weg zu den verschiedenen Clubs und Bars sind. Das Ausgehen läuft in England allerdings etwas anders ab als in Deutschland. Ab 18 Uhr beginnt man mit dem Vortrinken (meiner Meinung nach sehr früh), man trinkt viel mehr und man macht sich zwischen 23 – 0 Uhr auf den Weg zum Club, da die Clubs in England alle um 3 Uhr nachts zumachen. Die Tatsache, dass die Clubs um 3 Uhr zumachen, hat mir gut gefallen, da der nächste Tag dann nicht komplett im Eimer war. In Deutschland bin ich meistens zwischen 4 Uhr und 6 Uhr zu Hause, schlafen dann aus bis um 13 oder 14 Uhr und bis ich dann tatsächlich fertiggemacht bin, um etwas zu unternehmen oder geschafft zu kriegen, ist es fast schon wieder Abend.

In NCL findet man in vielen Restaurants und Bars viele alkoholische Angebote. Oftmals gibt es zwei Cocktails zum Preis von Einem. Meine Lieblingsbar ist No.28.

Clubs, die ich empfehlen kann, sind: Digital, Soho, Flares (mein absoluter Liebling) und Swingers. Digital, Soho und Swingers verfügen über mehrere Stockwerke und mehrere Dancefloors und Swingers hat sogar einen Außenbereich, in dem man tanzen kann.

Essen in NCL

In Newcastle gibt es nicht nur viele Sehenswürdigkeiten und Shoppingmöglichkeiten, sondern auch unglaublich gutes Essen. Es gibt sehr viele verschiedene Cafés und Restaurants. Die Cafés, die mir am besten gefallen haben, sind das „Olive & Bean“, „Cake Stories“ und „The Great British Cupcakery“. Sie sind von Grund aus verschieden, aber beide sind sehr süß und gemütlich und haben eine große Auswahl an süßem Gebäck. Beim Olive & Bean gibt es aber auch Herzhaftes. Ein eher besonderes Café ist das „Dog & Scone“. Dort kann man sich einen Tisch für eine Stunde reservieren und kann dann neben dem Kaffee trinken auch noch mit Hunden (!!) kuscheln und spielen. Es gibt außerdem zwei Katzencafés, in denen ich allerdings nie war.

Einige Restaurants, die mir gut gefallen haben, habe ich euch auch schon vorgestellt, darunter George’s Great British Kitchen, Revolucion de Cuba, Pitcher & Piano und The Purple Bear. Wo man jedoch auch noch gut essen kann, ist das „Byron“, ein Burgerrestaurant oder auch bei „Ask Italian“ oder „Bella Italia“, zwei Italiener, die auch sehr lecker sind.
Wenn man gerne Japanisch isst, sollte man zu „Shijo“ gehen. Man kann zwar auch drinnen sitzen, jedoch ist es sehr klein und eher ein Lokal, in dem man schnell isst und sich nicht allzu lange aufhält. Das Essen ist allerdings unglaublich gut – mein Klassiker: Chicken Katsu Curry.

In der Nähe der Newcastle University ist noch das „Quilliam Brothers Teahouse“, in dem es eine riesen Auswahl an verschiedenen Teesorten gibt, aber auch leckeres Essen (nur zum Mittagessen). Die Sandwiches sind sehr lecker – mein Favorit: The Cubano.

Und ein Restaurant, das ich leider erst sehr spät entdeckt habe: Zaap. Ein vietnamsisches Restaurant mit tollen ausgefallenen Gerichten.

Ich glaube, ich muss jetzt mal aufhören, sonst hat ja niemand mehr Lust, sich diesen Beitrag überhaupt durchzulesen. Ich könnte immer und immer weiterschreiben, denn ich habe so vieles in Newcastle unternommen, so viele Restaurants und Cafés besucht und könnte ewig über ihre Besonderheit und Schönheit sprechen. Man lernt keine Stadt so gut kennen, wie wenn man dort wohnt und sich jede freie Minute mit der Stadt auseinandersetzt. Für mich war Newcastle eine besondere Zeit, in der ich unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt habe, die den Aufenthalt noch schöner gemacht haben.

Doch wie sagt man so schön – Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist.

Denn so wie das halbe Jahr war, war alles perfekt und so will ich es in Erinnerung behalten!

6 Kommentare

  • Tiziana

    Wirklich ausdrucksstarke Fotos hast du da geschossen. Schön wie magisch für dich deine Zeit in dieser Stadt war. Sie sieht wirklich schön aus und auch wenn sie zuvor noch nicht auf meiner Reiseliste stand möchte ich jetzt gerne einmal hinreisen 🙂

    • beautyinsimplicity

      Vielen Dank für die lieben Worte! NCL hat sich wirklich in mein Herz geschlichen und ich bin unglaublich froh diese Erfahrung gemacht zu haben 🙂
      Freut mich total, dass sie jetzt auf deiner Reiseliste steht!
      Ich wünsche dir eine schöne Woche, xx

  • Lulu

    Was ein toller Beitrag! Fühlt sich fast so an als wäre ich selbst schon mal dort gewesen. Zieht mich natürlich jetzt umso mehr an nach so tollen Tipps 🙂

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